• Ausländische Kommentare zur Präsidentenwahl in Polen
  • 24.10.2005

Ausgiebig wird der Ausgang der polnischen Präsidentenwahl von den Auslandsmedien kommentiert.
Russische Medien stellen Überlegungen an, ob die Wahl Kaczyńskis die Beziehungen zwischen Moskau und Warschau verbessern könnte und zitieren die Ankündigung Kaczyńskis, er würde sich um bessere Beziehungen mit Russland bemühen. Die Nesawissimaja Gasieta äußert diesbezüglich ihre Zuversicht. Ganz anders die Moskauer Zeitung Kommiersant: die Verständigung mit Kaczyński würde recht schwer sein. Alle russischen Medien loben einmütig die Transparenz der polnischen Wahlen. Der Sender Echo Moskaus sagte, Russland könnte von Polen lernen, was demokratische Prozeduren bedeuten.
Die New York Times schreibt – Lech Kaczyńskis Präsidentschaft würde eine härtere Außenpolitik Polens provozieren. Mit der Wahl Kaczyńskis habe das Land einen entschiedenen Rechtsruck besiegelt. Die Zeitung meint, dass der polnische Wahlkampf und der Sieg Kaczyńskis eine härtere Politik gegenüber Deutschland, Russland und der EU bedeuten würde. Kaczyński habe seinen Wahlsieg vor allem der Unterstützung der Bauern, der Arbeitslosen und der katholischen Geistlichen zu verdanken. Eine Koalition mit der liberalen Bürgerplattform würde für beide Parteien mühsam sein, weil zwischen beiden Parteien, wie überhaupt in der polnischen Öffentlichkeit, starke Teilungen zutage treten.
In den britischen Medien fand der Sieg des Konservativen Politikers Lech Kaczyński ein breites Echo. Die Times verbirgt nicht ihre Besorgnis über einige radikale Anschauungen Kaczyńskis und weist vor allem auf solche Themen hin wie Abtreibung, Rechte der Homosexuellen und Todesstrafe. Die Financial Times meint, dass die Brüder Kaczyński bestrebt sein würden, den seit 16 Jahren andauernden Prozess der Transformation abzubremsen.
Mehrere deutsche Zeitungen sehen in der Wahl Kaczyńskis einige aufkommende Schwierigkeiten in den deutsch-polnischen Beziehungen aufkommen.
Die italienische La Repubblika schreibt, Kaczyński habe die Unzufriedenheit breiter Kreise der Bevölkerung genutzt und seinen Wahlkampf auf der Kritik der Politik der EU, vor allem der Agrarpolitik Brüssels, konzentriert. Corriere della Sera schreibt, die Polen hätten sich für Recht und Ordnung entschieden, Kaczyński hätte dies seinen Mitbürgern versprochen.