• Was könnten die Polen von den Amerikanern lernen?
  • 23.08.2011

NEWSWEEK: Schetyna - Nicht alles sei gelungen

Nicht Alles sei ihnen gelungen, gibt in einem Interview mit der Wochenzeitschrift Newsweek der Sejm-Marschall und Abgeordneter der Regierungspartei PO, Grzegorz Schetyna zu. Dennoch sei die PO die einzige Partei, die nach den Wahlen dem Land eine stabile Entwicklung garantiere, meint der Politiker. Vor vier Jahren habe die PO die Macht mit sehr anspruchsvollen Plänen übernommen. Teilweise habe die Finanzkrise diese Vorhaben beeinträchtigt. Doch dank der Regierungspartei sehe die polnische Politik normal aus. Das Land entwickele sich, Polen gehe mit den Unionsgeldern so gut, wie kein anderes Land in diesem Teil Europas um – kurz gesagt: Polen ist vorhersehbar geworden, sagt Grzegorz Schetyna.

Als die Bürgerplattform 2007 die Macht in Polen übernommen hat, bestand das politische Konzept der PO aus drei wichtigen Elementen: erstens ging es um die Verbesserung der Position Polens auf der internationalen Arena, zweitens um die Modernisierung des Landes in Anlehnung an die EU-Zuschüsse, und drittens die Sorge um die jungen Polen – die Jugendlichen sowie junge Familien und Kinder. Wenn es um die internationale Stellung Polens geht, habe die jetzige Regierung einen großen Erfolg verzeichnet, sagt Grzegorz Schetyna. Ein Pole stehe an der Spitze des Europaparlaments und das Land sei zweifelsohne ein Vorzeigeland im östlichen Teil des Kontinents geworden. Auch die Modernisierung gehe regulär voran. Kein anderes osteuropäisches Land habe so gut wie Polen die finanzielle Unterstützung seitens der EU ausgenutzt. Außerdem helfe die Regierung jungen Polen in ihrem Start ins erwachsene Leben. Die Wehrpflicht wurde abgeschafft, die Ticketermäßigungen für Studenten wiedereingeführt. Auch die vielen neuen Spiel- und Sportplätze seien ein Element der bewussten Familienpolitik, so Schetyna.

Er wisse, dass viele Wähler, die 2007 ihre Stimme für die Bürgerplattform abgegeben haben, heute enttäuscht sind. Genauso wie die Wähler haben auch die PO-Politiker geglaubt, dass man das Land besser und schneller verändern kann. Bekommt die PO eine zweite Chance, wird sie den großen Modernisierungsprozess zu Ende führen, so Schetyna in der Wochenzeitschrift Newsweek.

 

GAZETA WYBORCZA: Polen unzufrieden mit ihrer Regierung 

Sejm-Marschall Schetyna zeigt sich in dem Zeitungsinterview voller Zuversicht. Doch laut der neuesten Studie des Meinungsforschungsinstituts TNS OBOP wird die Arbeit der jetzigen Regierung von über 60 Prozent der Befragten Polen negativ beurteilt. Zufrieden mit dem Tusk-Kabinett sind 28 Prozent der Befragten. Besser schneidet in der Umfrage der Präsident Bronislaw Komorowski ab. Die Hälfte der Polen ist mit seiner Arbeit zufrieden. Kritisch betrachten das Staatsoberhaupt 34 Prozent der Polen, lesen wir in der heutigen Gazeta Wyborcza.

 

WPROST: Kaczmarek – Optimismus ist vernünftig!

Die Wochenzeitschrift Wprost bringt diese Woche ein interessantes Interview mit dem polnischen Komponisten und Oscar-Preisträger Jan A.P. Kaczmarek. Amerika habe ihn verändert, gibt der seit über 20 Jahren in Los Angeles lebende Musiker zu. Die amerikanische Mentalität habe dazu beigetragen, dass er seine romantische polnische Natur bezwingen musste. Für einen Künstler seien romantische Gästen immer eine sehr bequeme Pose, doch die Essenz, dass wovon der Erfolg abhängt, kann keineswegs romantisch sein, sagt Kaczmarek.

Am Anfang habe er versucht so anglo-sächsich wie nur möglich zu sein. Zwei und zwei musste immer vier bedeuten. Das Leben in Amerika sei anfangs sehr schwierig gewesen. Er musste sich an ein System anpassen, das er nicht verstanden habe, dass unmenschlich wirkte, erinnert sich Kaczmarek. Die zwischenmenschlichen Beziehungen schienen ihm künstlich zu sein. Sie basierten auf einem allgegenwärtigem Desinteresse für andere Menschen. Erst später habe er den amerikanischen kollektiven Optimismus verstanden. Auf die Frage “Wie geht’s” antworten die Amerikaner immer “Gut”. Zuerst fand er das lächerlich und künstlich. Nun verstehe er, dass dahinter eine tiefe gesellschaftliche Weisheit stecke. Wenn du ständig meckerst, infizierst du damit die Anderen, so der Oscar-Komponist Jan A.P. Kaczmarek im Wprost.

Autor: Kuba Kukla

Redaktion: Joachim Ciecierski